Mein Schiff " Pacific Link"

Montag, 21. Mai 2012

Passenger Familiarisation

08.05.2012

Bitte mitkommen auf Deck B, steuerbord. Das ist von jetzt an mein Rettungsboot bei Schiff-Verlassen-Alarm. Das orange geschlossene Kunststoffding hat für 42 Personen Platz . Es kann auch ohne Strom zu Wasser gelassen werden.
Jetzt bitte mitkommen auf Deck A, steuerbord. Das ist von nun an mein Sammelplatz bei jedem Alarm.
7 kurze und dann ein ganz langer Ton: Schiff-Verlassen-Alarm. In diesem Fall sofort her kommen. Mitbringen: Schwimmweste, Rettungsanzug, Helm, Handschuhe. Die Crew ist ausgebildet und wird mir helfen.
Kurz - lang - kurz - lang - .....:Feueralarm. Sofort zu Sammelplatz kommen. Nichts mitbrigen. Die Crew ist ausgebildet und wird mir helfen.
Ich lerne, wie ich ein Rettungsfloss aktivieren kann: Karabiner aushängen, Seil heraus ziehen, dann mit Karabiner am Geländer festmachen. Dann den grossen Bügel entriegeln und anheben. Die Verpackung öffnet sich, das Floss fällt ins Meer und bläst sich selber auf. Das darf ich aber nur bei Seenot machen.
Das Schiff hat 2 Rettungsboote zu je 42 Plätzen und vier Rettungsflosse zu je 15 Plätzen. Mit mir zusammen sind wir 23 Personen an Bord.
Im Schiffsbüro erhalte ich einen schönen roten Helm und ein Paar neue Handschuhe. Dann unterschreibe ich die Erklärung, dass ich durch den Safety Officer instruiert worden bin.

In meinem Zimmer öffne ich dann die mit dem grünen Rettungskleber markierte Schranktüre. Ich ziehe die rote Schwimmweste über. Dann lese ich die Instruktion auf der roten Verpackung des roten Immersion Suit:
Anzug aus der Verpackung nehmen. Anziehen wie einen Overall. Haube über den Kopf ziehen. Reissverschluss und Gesichtsklappe schliessen. Schwimmweste anziehen wenn nötig. Mit den Füssen voran ins Wasser.
Der Auftrieb des Anzugs ermöglicht den Ausstieg aus eingeschlossenen Räumen. Es wird empfohlen, den Anzug auf dem Wetterdeck und nicht in der Kabine anzuziehen. Treppen gehen damit dürfte schwierig sein.

Ich mache mich nicht lustig über diese Familiarisation, nein ich schreibe das auf für mich als Repetition.

Den letzten Abschnitt meiner unterschriebenen Erklärung lese ich gerade zum ersten Mal: Der Passagier ist freundlich angewiesen, sich beim wachthabenden Offizier ab zu melden, bevor er sich in den Bereich der Ladung begibt. Ich hatte mich beim Chief Mate gemeldet. Ob ich denn joggen wolle? Nur gehen. Das dürfe ich immer tun. Etwas vorsichtig war ich dann schon, manchmal sieht es für Landbewohner gefährlich aus. Aber es war ein tolles Gefühl, als ich zu allervorderst auf dem Bug mit dem Minigeländer im Winde stand. Unter mir schoss das Meer daher.

Habt ihr es bemerkt, dass ich schon nautische Ausdrücke einstreue? Ich habe vom Captain ein Lexikon erhalten und ich will noch mehr davon lernen.

Später habe ich den Immersion Suit sorgfältig ausgepackt und ihn dann angezogen. Recht heimelig, aber das Fotografieren mit den angegossenen Handschuhen war schwierig. Der Suit trägt und soll vor schnellem Tod durch Unterkühlung bewahren. Das Wasser hat hier oben null Grad.

Barbeque

Hier auf dem Schiff werde ich wie ein Fürst behandelt. Ich sitze zur Rechten des Captains, mir gegenüber ist der Chief Mate, diagonal sitzt der Chief Engineer. Und jetzt habe ich auch noch meine persönliche E-Mail Adresse erhalten. Ich hoffe sogar, dass man mich mit „Antworten“ erreichen kann.

Seitdem wir gestern von Shanghai weggefahren sind, sind wir richtig auf See, jetzt gerade zwischen Korea und Japan. In der übernächsten Nacht queren wir Japan unterhalb Hokkaido. Dann geh es hinauf in den Norden, und oben durch nach Alaska. Nichts von Hawaii, die kürzeste Route führt im Norden durch! Zum Glück habe ich warme Kleider bei mir.

Ich komme jetzt zur Ruhe. Ich höre Luisemaries Monochord CD und andere schöne Musik, und ich lese jeden Tag ein paar Zeilen von Anthony de Mello. Die Sauna und die Waschküche habe ich auch benutzt. Auf der riesigen Kommandobrücke fühle ich schon zu Hause. Es ist interessant mit den Officern zu sprechen. Die übrige Mannschaft ist fröhlich, spricht aber nur das Nötigste in Englisch. Ich werde ja sehen.

Heute Abend gibt Barbeque, die Küchenmannschaft dreht schon lange das Schwein am Spiess. Ich habe zwei gute Flaschen Wein aus Qingdao und einen Betrag für die philippinische Mannschaft gestiftet. Noch ist es warm draussen, ideal für ein Fest.

Weil ich allein Passagier bin, habe ich ein gratis upgrade erhalten: die beste aller Kabinen, 35m2, mit Dusche und Schlafraum. Ich wohne auf dem F-Deck, etwa 31m über dem Wasser. Es ist einfach super!

Am nächsten Morgen, Mittwoch, 06:15 Uhr

Draussen ist wunderbares Wetter. Aber der Wind hat mich fast weggeblasen, als ich kurz auf dem Balkon war. Die Barbeque war toll, davon ein andermal. Mir ist so wohl!

Nachts auf der Brücke

Vollmond über dem Huang Hai (Gelbes Meer) 05.05.12, 20 Uhr

Ich esse jeweils mit dem Captain, dem Chief Mate und dem Chief Engineer. Der Chief Mate hat heute bis 20 Uhr Dienst auf der Brücke. Ich suche die Innentreppe ins Wheelhouse, zwei Stockwerke über mir. Bis jetzt habe ich immer die Aussentreppe genommen.

Durch den hellen Radio-Raum komme ich zur unbeleuchtete Brücke. Im Eingang warte ich, bis sich meine Augen ans Dämmerlicht gewöhnt haben und mache mich beim Offizier und dem Matrose bemerkbar.

Draussen ist es dunkelgrau, die Sichtweite beträgt 1.2 Seemeilen. Auf dem Bildschirm leuchten Punkte, Dreiecke und gelbe Flecken. Der Kreis mit dem Geschwindigkeitsvektor ist unser 100'000-Tonnen Cargoliner. Der vorberechnete Kurs ist in rot, der gefahrene in blau aufgetragen. Die Dreiecke sind Fischerboote. Wenn der Offizier eine der Markierungen mit der Maus anfährt, dann erscheinen die Daten des Bootes.

Alle drei Minuten ertönt das Horn. Von Auge sind im Nebel keine Schiffe zu erkennen. Der Chief Mate weicht immer wieder aus. Dazu ruft er den Matrosen ans kleine Ruder und gibt ihm die Korrekturen an. Ich sehe wie sich der Kompass leicht dreht. Er kann das Boot aber auch über den Stick steuern. Dann schlägt der Computer die Korrektur vor, er muss sie noch bestätigen.

Es ist dunkel geworden, der Vollmond steht rötlich m Himmel. Draussen bläst ein starker Wind. Ich bereite mir im Radiohaus einen Kaffee und betrachte dann die für mich ungewohnten Seekarten. Auf einen Bildschirm wird hier der Kurs aufgezeichnet und der Verlauf der Wassertiefe. Sie beträgt jetzt 50 Meter. Ich darf mich hier oben überall umsehen. Das meiste begreife ich ein wenig, vieles ist ja in Deutsch angeschrieben. Hamburg ist der Heimathafen der "Pacific Link", aber ihre Runde dreht sie immer im Pazifischen Ozean.

Wir fahren jetzt zwischen einer Menge von Lichtern durch, ich höre die Kommandos vom Chief Mate. Dann betrachte ich die Sterne. Wegen dem Mondlicht und dem Nebel kann ich nur wenige erkennen, und ich kann mich am Himmel nicht orientieren. Vielleicht werde ich es später vor meinem Zimmer nochmals versuchen. Ich wünsche den zwei Wachthabenden eine gute Nacht und steige die zwei Sockwerke hinunter in meine Suite.

PA

Auf der Bootsliste bin ich der PA. (der Passagier)

Geben und Nehmen


Gestern war ich unter die Räuber geraten. Ich war in Sorge, als im wichtigen Moment meine E-Mail Verbindung gekappt war. Ich musste musste unbedingt erfahren, wie und wann ich zu meinem Schiff gelangen konnte. Als ich endlich die Agentur am Draht hatte, sagte ich, die Kosten wären keine Frage, ich möchte einfach nur abgeholt werden. Für 200$! Minuten später bereute ich meine Zusage. Dieser selben Betrag hätte für 6 Nächte im Green Tree gereicht. Dann überlegte ich weiter: 200$ brutto hatte ich als selbständiger Ingenieur für 2 Stunden erhalten. Verrückt.
Am Morgen um halb neun holte mich ein junger Mann mit seinem Wagen im Hotel ab. Nach ein paar hundert Metern standen wir im Stau. Busse, Taxis und Privatautos versperrten einander den Weg. Mein Fahrer suchte Auswege, die uns aber alle in den in den nächste Stau führten. Es begann eine Stadtrundfahrt im Schneckentempo. Ich sah die meisten Orte nochmals, die ich in den letzten Tagen besucht hatte.
Endlich kamen wir zum Bay Tunnel. Dann ging es auf der anderen Seite der Bucht zügig weiter.
Bis in die Gegend des Hafens, wo überall mit Container beladenen Lastwagen verkeilt im Stau standen. Schrittweise kamen wir voran. Der Fahrer schaute auf die Uhr, telefonierte, gab mir ein Taiwanesisches Guetzli. Dann bogen wir zu seinem schönen Bürogebäude ab. Er brauchte meinen Pass, und ich wartete am Empfang.
Wieder zurück in den Stau, weitere Umwege. Nach einer halben Stunde waren wir wieder beim Büro. Ein zweiter Versuch, und nach einer weiteren halben Stunde kamen wir zur Chinesischen Immigration. Ich durfte auf einen Hocker sitzen und dem Beamten meinen Pass geben. Er diskutierte lange und aufgeregt mit meinem Chauffeur. Stimmte etwas nicht? Ich schaute bewusst positiv zu. Dann kam sein OK, ich erhielt meinen Pass zurück mit einem freundlichern Abschiedsgruss. Zurück in den Stau.
Erst im abgesperrten Container – Hafenbezirk kamen wir wieder voran, und 10 Minuten später konnte ich vor der riesigen Pacific Link aussteigen. Wir hatten es geschafft! Allein wäre ich kaum hier her gekommen, wahrscheinlich hätte ich mich vom Hafenagenten retten lassen müssen. Die Fahrt war den Preis fast wert.
An Bord erhielt ich dann ein Gratis Upgrade: die grösste Kabine anstelle der kleinsten. Ich hatte mir vorher schon überlegt, ob ich für den Aufpreis von 15 x 25$ wechseln sollte.  
Geben und Nehmen.
Das Schiff nebenuns fährt weg. Die Pacific Link ist 80 m länger als die Teno.

05.05, 07.00 Die Seefahrt beginnt.

Heute Morgen um 06:00 bewegte sich etwas. Ich verliess das Bett und sah, dass die Kräne anders standen: wir fahren los! Anziehen und auf die Brücke. Hinten schob ein Schlepper, vorne zog einer, die Pacific Link bewegte sich langsam drehend vom Kai weg. Die Radarantennen drehen sich, aus dem Schornstein kommt etwas Rauch. Die Fahrt beginnt

Die Sonne drückt durch den Frühnebel. Ein Blick zurück zur Anlegestelle, wo zwei Schiffe liegen. Nach einer Weile legen die Schlepper ab. Vom Ufer sehe ich kaum noch etwas.

Zurück in die Kabine. Ich habe die beste Dusche bisher auf meiner Reise, besser als im Hilton Moskau. Ich räume meine Sachen ein, es hat so viel Platz in den Spiegelkästen. Ich will mich bequem einrichten in meiner Luxuswohnung.

05.05, 07.00

Später wurde der Lotse mit einem schnellen Boot abgeholt. Vor mir auf den Containern fahren ein paar Möven mit.

Mit dem GPS will ich ein Logbuch führen mit einzelnen Punkten. Die Positionen werden vom Gerät gespeichert, die Geschwindigkeit will ich aufschreiben. Ich habe auch genügend Zeit (denke ich), um mein Tagebuch auf dem Netbook zu schreiben. Ich will es versuchen.(18 km/h).

Heute möchte ich:
  • Das Personal besser kennen lernen (das Büchlein zum Aufschreiben mitnehmen)
  • Wegen Waschen fragen
  • Officers Recreation Room kennen lernen
  • Getränk posten
  • Mich weiter einrichten

In einer Viertelstunde gibt es Frühstück. (Wir fahren jetzt mit 24 km/h.)

Wie heisst das rohe Fleisch, das man mit rohem Ei usw. isst? Das gab es zum Frühstück. Hat gut geschmeckt.

Rückblick

Im Beringmneer, 13. Mai 2012

Lieber F.

Herzlichen Dank für dein Mail. Ich komme eben von der gruenen Schiffskirche zurück. Eigentlich war das eine Bier- und Weinbar, aber sie heisst so, weil sie am Sonntag um 10 Uhr beginnt.


Ja, es stimmt, ich schreibe wenig über China. China ist gross, fast so gross wie das Weltmeer, das seit Tagen an meinem Fenster vorbei zieht. Ich wollte nur ueber das schreiben, was man nicht in den Buechern nachlesen kann. Ueber meine persoenlichen Eindruecke, ueber das was ich als Fremder empfunden habe.

Ich war 4 Tage lang in Qufu, der Stadt, wo vor 2400 Jahren Konfuzius gelebt hat und wo seine direkten Nachkommen immer noch als steinreiche Familie wohnen. Ich war einen Tag lang auf ihrem riesigen Familien-Friedhof, und einen Tag lang in ihrem Privat-Tempel und in ihren privaten Gebaeuden, wahrscheinlich als einziger Privat-Tourist. Da habe ich schon einiges mitbekommen, und ich werde noch vieles nachlesen muessen. Die Lehre von Konfuzius fasziniert mich. Ich interessiere mich schon auch für Kutur.

Einen weiteren Tag verbrachte ich in einem buddhistischen Tempel in Qingdao, wo ich mich von den Glaeubigen voll mitnehmen liess. Das waren die wichtigsten Kulturerlebnisse für mich. Ich wurde auch ein paar Mal von Englisch sprechenden Chinesen angesprochen, ich fiel ja auf. Ich denke, ich habe da mehr ueber die Kuktur erfahren als von den angebotenen Fuehrungen.

Ich habe mich immer sehr für den chinesischen Alltag interessiert. Ich war fasziniert zu sehen, wie das traditionellee China, das von der Kulturrevolution zerstörte China und das foermlich wirtschftlich explodierende China neben einander und in einander verschraenkt existieren. Von den gigantischen Neubauten war es ein paar Schritte bis zu den alten Maerkten und nochmals ein paar Schritte bis zu den alten traditionellen Taezen auf dem Gehsteig.


Ich bin bei Tag und bei Nacht stundenlang durch die Strassen gezogen und habe die Szenerien und meine Empfindungen förmlich aufgesaugt. Ich weiss, dass die Schluesse, die ich daraus gezogen habe, ungenau und weitgehend falsch sind. Subjektiv sind sie richtig. Aber ich werde noch viel darueber lesen mussen.
Ich war 3 Wochen in China. Ich habe an wenigen Orten wenig von einem Riesenreich gesehen. Aber das waren praegnde Eindrueke fuer mich. Nur darueber kann ich kompetent schreiben. Alles andere muss ich nachlesen. Ich habe noch 1000 Fragen. Und ich habe auch noch 1001 Fragen ueber Samarkand und ueber Sherezade.

Liebe Gruesse 
 

Hansjoerg


Arm und Reich in der Stadt


Die Armen habe ich als Wanderarbeiter auf den Baustellen gesehen. Frauen und Junge aus dem oberen Mittelstand habe ich beim eim Shoppen in den teuren Geschäften gesehen. Einen kleinen Einblick habe ich in den Verkaufs - Ausstellungen für die neuen Wohnungen erhalten.

Auf dem Bau gehen Wanderarbeiter mit abgetragenen Kleidern und mit untauglichen Schuhen müde zur Arbeit. Am Wachthäuschen beim Baustellentor vorbei verschwinden sie zwischen den Barracken. Mich lassen die Wächtern nicht vorbei.
Mit einfachen Schubkarren transportieren die Hilfsarbeiter Sand, Mauersteine, Zement, Fertigelemente. Mit Schaufeln werfen sie Sand durch das schräg gestellten Sieb, mit einem einfachen Mischer machen sie Mörtel und karren diesen zum Bauaufzug.
Am Mittag sitzen sie müde im Schatten und essen aus einem Blechgeschirr. Den einfachen Mahlzeitenverkauf im alten Kombiwagen am Strassenrand benutzt kaum einer.
Am Abend sehen sie noch müder aus, einige schleppen sie sich förmlich von das Baustelle.
T, dessen Eltern selber auf de Baustellen arbeiteten, sagte mir, die Arbeiter wohnen an Orten, wo es fast nicht kostet. Vielleicht in jenen eingefallenen Schuppen, die ich gestern gesehen habe. So etwas kann ich nicht fotografieren.

An einem Spital arbeiten etwa ein Dutzend Maler an langen Seilen auf ihren Sitzbrettern. Neben ihnen baumeln die Farbkübel. Sie lachen als ich frage, ob ich sie fotografieren dürfe. Den Arbeitern an der Wand kann ich die Bilder leider nicht zeigen. In der Dukelheit treffe ich zwei Maler auf der Strasse. Einer sitzt, der andere liegt. Beide sind sie eingeschlafen neben ihren aufgerollten Seilen.

Zu den Reichen: In den zwei Verkaufsbüros für neue neue Wohnungen besucht, erhalte ich Auskünfte und werde in den Ausstellungen herum geführt. Am grossen Modell eines geplanten Stadtteils habe ich etwa 150 Wohnblöcke gezählt, je zu etwa 200 Wohnungen. Die Verkaufspreise betragen zwischen 12000 Y und 20000Y pro m2, das sind 2000 - 3200 Fr. Die Wohnungen messen zwischen 75 und 175 m2. Ich bleibe mit den Zahlen auf der vorsichtigen Seite. T, der Exportkaufmann, den ich kennen gelernt habe, verdient als rund 400 Fr. im Monat.

Ich erhalte den hundertseitige Hochglanzprospekt der Überbauung "Life Of Edinburgh". Die meisten Abbildungen darin könnten aus aus dem Magazin über amerikanische Multimillionäre stammen. Chinesische Gesichter kommen darin selten vor. "Own Edinburgh with all the Nobility" ist der Hauptslogan. Dann folgen acht Kapitel. Sie könnten das Neue Wertesystem darstellen. Werbeleute kennen sich da aus.


Kapitel 1: Umgebung. Einsamer Meeresstrand. Grüne Wälder und weite Wiesen. Ein Filmstar mit Partnerin beim Billard, eine Studentin vor der Tafel mit mathematischen Formeln, ihre schöne Mutter beim Shoppen.
Kapitel 2: Gebäude. Die Blöcke stehen weit auseinander, mit toskanische Dachaufbauten. Ein Paar in den besten Jahren tanzt vor der Attikawohnung.
Kapitel 3: Gärten. Ein Kid auf einem BMX, Engel aus Marmor, goldene Laternen, alte Bäume.
Kapitel 4: Dekoration. im englischen Stil: viel Gold, Plüsch, Holz, Porzellan, Edelküchen.
Kapitel 5: Ausbildung. Studenten werfen ihre Batchelorhüte in die Luft, Kinder liegen im grünen Gras, Direktionsgebäude, junge Marineoffiziere auf einem U-boot.
Kapitel 6: Aktivitäten: Einkindfamilie im Shoppingcenter, edle Paare an einem gesellschftlichen Anlass.
Kapitel 7: Managment. solide, wie man sich Schweizer Banken vorstellt.
Kapitel 8: Sicherheit: wie Kapitel 7.
Denis, der Wirtschftsstudent hat mir empfohlen, Taiwan zu besuchen. Dort habe keine Kulturrevolution die alten Familienwerte zerstört.